open science

Kunst messen:
Methodische Entwicklung und Validierung von RizbA, einem quantitativen Ratinginstrument zur formalen Bildanalyse

Promotionsvorhaben an der Universität Witten/Herdecke, Fakultät für Gesundheit, Department Psychologie und Psychotherapie

Betreuung: Prof. Dr. Thomas Ostermann, Universität Witten/Herdecke, Fakultät für Gesundheit, Department Psychologie und Psychotherapie

Alumna des Fellow-Programms Freies Wissen von Wikimedia Deutschland, Stifterverband, Volkswagenstiftung

Eine Grundannahme der Kunsttherapie ist, dass sich innere Repräsentanzen im Bildlichen Ausdruck wider­spiegeln. Dies betrifft verschiedenste differentialpsychologische sowie klinische Konstrukte. Quantitativ erforscht wurden diese Zusammenhänge bislang kaum, da es an reliablen Messinstrumenten mangelt. Auch Psychologie befasst sich seit geraumer Zeit mit den Künsten – sei es Experimentelle Ästhetik oder Kunstpsychologie. Bildlicher Ausdruck als differentialpsychologisches Konzept fand hierbei jedoch wenig Beachtung, mitunter da es an reliablen Messinstrumenten mangelt.

Diese Arbeit schließt diese Lücke zwischen Kunst und Wissenschaft. In der Kunst finden in der Bildanalyse von Kunstwerken meist qualitative Bild­betrach­tungen Anwendung. Diese Arbeit bricht mit dieser Tradition und verknüpft bildwissen­schaftliche Inhalte neu mit quantitativer, psychometrischer Methodik.  Zu diesem Zweck wurde das Rating­instrument für zweidimensionale bildnerische Arbeiten (RizbA) entwickelt. Dabei handelt es sich um einen Frage­bogen mit 26 Items, der Bildlichen Ausdruck misst und Inhalte einer formalen Bildanalyse, wie Darstellung, Farbe, Form, Raum, Bewegung und Komposition, umfasst.

Er wurde in drei randomisierten Validierungsstudien im Test-Retest-Design mit repräsentativen Stichproben an Bildmaterial von Laien (N = 294) sowie an Gegenwartskunst (N = 318) erprobt. Als Gütekriterien dienen statistische Kennwerte, Faktorenanalysen und Fit-Indices. Aus diesen resultiert eine mittlere bis hohe Diskriminanzfähigkeit zwischen bildneri­schen Arbeiten (partielles η2 = .280 bis .879) sowie eine hohe Inter-Rater*innen-Reliabilität (ICC = .525 bis .917). Die Test-Retest-Reliabilität beträgt r = .86 bis .93. Hauptkomponentenanalyse legen eine inhaltlich interpretierbare Acht-Faktorenstruktur nahe (Räumlichkeit, Formgebung, Bildnerische Elemente, Darstellungsweise, Farbintensität, Farbmischung, Komposition und Bildwirkung).

Die drei Studien legen eine Generalisierbarkeit des Fragebogens nahe, so dass dieser sowohl auf Arbeiten von Laien als auch auf Gegenwartskunst angewendet werden kann. Als erstes reliables Messinstrument eröffnet RizbA neue Perspektiven. Es schafft die methodische Grundlage für eine objektive Erfassung von Bildlichem Ausdruck als differentialpsychologischer Variable sowie anderer psychologischer Korrelate von Kunst. Dies fördert neue transdisziplinäre Forschungsansätze in Psychologie, Ästhetik und Kunstwissenschaft. Perspektivisch sind zur weiteren Validierung die Erprobung an nicht eurozentristischer Stichproben, konfirmatorische Faktorenanalysen sowie Machine Learning Ansätze geplant.


RizbA zum download

Die aktuelle Version des Ratinginstruments für zweidimensionale Bildnerischer Arbeiten (RizbA) steht im Sinne von Open Science für Forschung und Dokumentation frei zur Verfügung. Die Paper-Pencil-Version kann auf Zenodo heruntergeladen werden.


publikationen

  • Schoch, K. (In Druck). Psyche, Kreativität und Bildlicher Ausdruck: Ein quantitatives Ratinginstrument zur Formalen Bildanalyse (RizbA). Tagungsband, Zur Psychodynamik kreativen Gestaltens – Künstlerische Therapien in klinischen Arbeitsfeldern – Jahrestagung der Internationalen Gesellschaft für Kunst, Gestaltung und Therapie (IGKGT), Sigmund Freud Privatuniversität Berlin, 2018.
  • Schoch, K. (2019). Psychotrauma und transkulturelle Unterschiede in Bildern: Ein quantitatives Ratinginstrument für zweidimensionale bildnerische Arbeiten (RizbA). In Krueger, C., Stellbrink-Kesy, B., Widdascheck, C., & Hamberger, C. (Hrsg.). Kunsttherapie in Migration. Köln: Richter. https://doi.org/10.5281/zenodo.3573848
  • Schoch, K., & Schulze-Stampa, C. (Hrsg.) (2019). In/ter/ven/tion: in mit durch Kunst. Publikationsreihe Kunst + Forschung, No. 5. Ottersberg: Hochschule für Künste im Sozialen, Ottersberg.
  • Schoch, K. (2018). Jenseits von gut und schön – Entwicklung eines quantitativen Ratinginstruments für zweidimensionale bildnerische Arbeiten (RizbA). Musik-, Tanz- und Kunsttherapie: Zeitschrift für Künstlerische Therapien im Bildungs-, Sozial- und Gesundheitswesen, 28(2), 131-138. https://doi.org/10.5281/zenodo.1479716
  • Schoch, K., Gruber, H., & Ostermann, T. (2017). Measuring art: Methodical development of a quantitative rating instrument measuring pictorial expression (RizbA). The Arts in Psychotherapy, 55, 73-79. https://doi.org/10.1016/j.aip.2017.04.014
  • Schoch, K. (2014, 25. Februar). Ratinginstrument für zweidimensionale bildnerische Arbeiten: Methodische Arbeit zur Entwicklung eines psychologischen Tests zur Erfassung von bildnerischem Ausdruck. Universität Mannheim. Zenodo. http://doi.org/10.5281/zenodo.1479744

weitere studien zu RizbA

  • Epstein, C. (2019, 22. März). Bildlicher Ausdruck von Depression: Erprobung des Ratinginstruments RizbA an Bildstichproben aus dem klinischen Kunsttherapiesetting. Universität Witten/Herdecke. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.3365921
  • Janßen, B. (2018, 13. August). Erprobung des Ratinginstruments für zweidimensionale bildnerische Arbeiten (RizbA): Pilotstudie zur Untersuchung des bildlichen Ausdrucks in gemalten Bildern von Menschen mit chronischer Schmerzsymptomatik. Hochschule für Künste im Sozialen, Otterberg. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.3407808

Alle Publikationen (Preprint oder Manuskript) sowie wissenschaftliche Poster und weitere Materialien zu RizbA finden sich frei zugänglich auf Zenodo.


podcasts

Open Science Radio Folge 173
Kunst und Therapie, Kunstwissenschaften und Psychologie
27. Juni 2019


kontakt

Kerstin Schoch
Dipl.-Kunsttherap. (FH), Psychologin (B.Sc.)
Institut für Kunsttherapie und Forschung
Hochschule für Künste im Sozialen, Ottersberg
Am Wiestebruch 68, 28870 Ottersberg
kerstin.schoch@hks-ottersberg.de

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